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Schroeder Roadshow » jesus am fluss

jesus am fluss

Schroeder am 1. April 2009

Mon Cher!

Du bist einfach von einem Fahrradausflug entlang deines geliebten Flusses nicht mehr nach Hause gekommen. Und die, die bei dir waren, konnten dir nicht mehr helfen.

Fließe, Fluss!

for jesus canneloni

Wir haben schon sehr viele persönliche Mitteilungen bekommen, für die wir uns an dieser Stelle bedanken möchten. Eure messages könnt ihr auch direkt hier als Kommentar hinterlassen, um, wie Karin es gesagt hat, Jesus’ Botschaft der Nächstenliebe, der Demut, des Friedens und der spielerischen Freude hier einen Platz geben.

Abgelegt unter Jesus | 22 Kommentare

22 Kommentare zu “jesus am fluss”

  1. Matthias Keulam 1. April 2009 um 12:50

    … die Nachricht vom Ableben von Jesus hat mich erreicht, tut mir sehr leid das zu hören. Sind viele Bilder von der alten Zeit , die hoch kommen………..Grüße an die Band, ich versuche es mal zu dem Trauerfeiertermin zu schaffen, liebe Grüße, Matthias

  2. Roland Schaefferam 1. April 2009 um 12:51

    … mein Lieblings Schröder hat seinen Gig nun leider beendet. Tut echt weh.
    Roland

  3. Mick Vaporupam 1. April 2009 um 12:56

    Der Junge mit dem Copycat…
    von Mick Vaporub

    als ich 1978 zum Zirkus der Wahnsinnigen stiess, zwischen altertümlichen Monsterkraftwerks Kühltürmen und Kühen, die sich von Blei ernährten, waren wir , die romantischen Verlierer , in die Pampas der Eifel eingedrungen unser Manifest zu verkünden: ROCK´N ROLL !!
    Sechs Irre knüppelten, zerrten Saiten, bliesen auf Hörnern und Kämmen und jubilierten mit trällernden Chören das hohe Lied : ” Anarchie in Germoney”
    Es war mir eine Freude, auf Jesus` Seite seine Klangkaskaden mit Funkylicks zu verzieren und in traumhaften Improvisationen zu verschmelzen - Musik , die kocht! Dazu waren wir hier, - -
    Natürlich gab es etliche Scharmützel in den Orchestergräben unserer Mitverschwörer. In der Hitze der Nacht ist manchein Gitarrenhals im Weg und nicht jeder Klöppel findet sein Ziel….. Doch es brachte uns weiter und wir konnten dem unbarmherzigen Showbusiness beherzt aus dem Weg gehen…. Jesus spielt jetzt in einer anderen Welt, ich werd`Dich vermissen und hab Dich lieb
    Mick

  4. vladiam 1. April 2009 um 20:59

    Samstag stehen wir das erste Mal ohne Jesus auf der Bühne. Und WIE ich ihn vermissen werde………………………..

  5. Volker Neumannam 1. April 2009 um 21:15

    Es ist immer schwer, die passenden Worte zu finden, wenn so etwas trauriges passiert. Ich habe Jesus erst bei der Arbeit an dem CD Projekt bei zwei Konzerten kennen gelernt und war tief beeindruckt von seiner Spielfreude und Bühnenpräsenz.

  6. Manni Hollaenderam 4. April 2009 um 12:19

    während der studioaufnahmen zu den “Chansons von Hinterhof der Träume” war ich zunächst skeptisch, ob es gelingen würde, jesus’ spontane saxofonausflüge und seine elektronik-performances in die arrangements zu integrieren.
    wie sich aber beim mix herausstellte, waren genau diese beiträge das salz in der suppe eines großen teils der produktion.

    wochen nach dem erscheinen der cd schrieb er mir die einzige mail, die ich je von ihm erhalten habe:

    >hallo manni habe gestern zum 1. mal
    >die schroeder cd gehört,ich bin platt
    >sie klingt super
    >mein respect lieber manni
    >auf einen besuch in meinem kleinen studio
    >auf kaffe & kuchen würde ich mich freuen.
    >habe mittlerweile 3 neue cd,s gemacht
    >jesus

    zu einem besuch in seinem “kleinen studio” kam es nicht mehr.

    mach’s gut, mein lieber!

  7. Gabriele Sedlmeieram 5. April 2009 um 14:06

    Für Alle und speziell für Karin

    “Ich bin nicht tot,
    ich tausche nur die Räume.
    Ich leb in Euch
    und geh durch Eure Träume.” (Michelangelo)

    Das könnte auch von Jesus sein, ich höre ihn das sagen und er lächelt.

    In Liebe
    Gabriele

  8. Gerty Beraczam 6. April 2009 um 00:03

    Hi Jesus , du Canneloni !
    Mir ist in den letzten tagen sehr bewusst geworden, wie sehr ich Dich vermissen werde ! - Du warst ein ganz wichtiger teil der schroeder-roadshow-family, die ich als erinnerung mit mir herumtrage. - wenn ich auf die band zu sprechen kam, tauchte immer eine anekdote mit Dir oder über Dich auf.- ich habe Deine mutige art zu improvisieren, ich meine damit auch Deine lebenseinstellung, heimlich bewundert, auch wenn ich oft über die sprüche lachen musste, - die ernst gemeint waren… - ich habe es oft genossen Deinen verr-rrückten kosmos miterleben zu können ! - ich war froh, dass Du in die jetzige band wieder eingestiegen bist und ich werde in zukunft bei meinen gitarrensoli oft an Dich denken müssen…so wie gestern in straßburg oder bei den proben zu diesem gig…oder wie immer wieder mal in den jahren zuvor…….- ich wünsche Dir, dass Du auf der anderen seite genauso stolz, wild und leidenschaftlich weitermachst….!

    ein tag mehr mit dir wäre schön gewesen
    ein tag mehr mit dir fühlen
    dich in meiner nähe sehen
    nur einen tag mehr

    ein tag mehr wäre großartig
    ein tag mehr mit dir glühen
    nicht die letzte kälte fassen

    ein tag mehr mit dir sprühen
    nur einen tag mehr mit dir verstehen
    nicht ohne dich gehen

    ein tag mehr……….. - gerty beracz

  9. Ralf von der Heideam 6. April 2009 um 12:54

    Das ist eine furchtbar traurige Nachricht. “Die Brüder der romantischen Verlierer” klingen jetzt noch melancholischer. In unserer Fantasie bleibst du immer bei uns, Jesus. Wir verneigen uns vor dir in Demut und Liebe.
    Ralf

  10. richard hertenam 6. April 2009 um 13:20

    Lieber Jesus,
    bei der Nachricht von deinem Tod hat es mir die Beine weggehauen und ich spüre, daß ich seit dem nur noch innerlich taumele. Es ist nicht Wut oder Schmerz über den Verlust, sondern es ist der Sog, der von dir ausging - das Licht, das durch dich durchschien. Leuchte uns armen Irren heim!
    dein richard.

  11. Michael Tschernowam 11. April 2009 um 10:20

    … die traurige Nachricht habe ich erhalten… Für ein buddhistisches Ritual bräuchte ich den genauen Todeszeitpunkt. Ich mache eine Meditation für Ihn regelmässig, damit er gut weiterkommt, was sicher ist … alles alles Gute
    Michael Tschernow

  12. Petra Gräffam 11. April 2009 um 10:23

    … ich habe von meiner Freundin Anne Rixmann ( sie war bei ihrem Bruder in Linum und hat Walter Pauli getroffen) erfahren, dass Jesus gestorben ist. … alles sehr traurig. Ich hatte geglaubt das er gute Projekte macht und das Comeback von Schroeder Roadshow auch ganz gut angelaufen ist. … ich würde gerne an der Trauerfeier teilnehmen.
    Mit herzlichen Grüßen aus Köln
    Petra Gräff

  13. Volker Fürdereram 13. April 2009 um 22:52

    Lieber Jesus, erst jetzt begreife ich, dass Du wirklich tot bist. In meiner Erinnerung bleibt immer das erste Konzert der Schroeder Roadshow, welches ich damals in der Kieler “Pumpe” gesehen habe. 1979 muss es gewesen sein. Eine herrliche Band, mit tollen und verrückten Musikern. Grossartige Unterhaltung mit Witz. Und Du warst mittendrin. Mit Deinem Saxophon, das ich immer so geliebt habe…Du wirst mir fehlen, am 02.Mai in der Lindenbrauerei in Unna…

  14. Gaby Tigeram 18. April 2009 um 12:55

    hi jesus !

    so viele erinnerungen … an razzmatazz … an die gottesanbeterin in deinem dachzimmer … an deine süssigkeiten … an dein mich tragen auf deinen schultern … ans baby bewundern … dein fahrad fahren … dein lachen … unser lachen … deine musik …
    alles bleibt in meinem herzen !

    CIAO
    LOVE
    julchen

  15. Claudia Rotham 21. April 2009 um 08:26

    … ein grußwort von claudia. karin wird es auf dem konzert am 20 april im zikkurat in euskirchen lesen.

    Liebe Karin,
    liebe Freundinnen und Freunde von Jesus Canneloni,

    dass Jesus tot ist, will mir nicht in den Sinn. Ich habe ihn doch gerade
    noch gesehen, und in so frischer Erinnerung, auf der Bühne, bei der
    Gorleben-Demo im letzten November. Dass er nicht mehr da sein soll, ist ein Gedanke, der so leer ist und absurd.

    Jesus war einer der herzlichsten Menschen, die ich kannte. Sein Name hat gepasst. Er hat das Böse gebannt. Und seine Musik war genauso. Wenn er spielte, war nichts Trennendes mehr zwischen den Menschen, sondern ein Wärmestrom und Liebe. Anders kann ich es nicht sagen.

    Wir haben 1983 viel Zeit zusammen verbracht, bei der „Heut Nacht oder Nie“-Tour von Schröder und den Scherben. Jesus war ein besonderer Freund der grünen getrockneten Gewächse. Das hatte er gemeinsam mit Britta Neander, der damaligen Scherben-Percussionistin, was die Session noch einmal besonders abgehen ließ.

    Ich erinnere mich an die weißen Cowboystiefel, die Jesus sich gekauft
    hatte und in denen er herumlief, stolz wie Bolle. Dabei waren sie
    mindestens zwei Nummern zu groß.

    Und ich erinnere mich an die Eröffnung der „Schwarz-Weiss“-Ausstellung der Elefantenpress auf einem Grünenparteiag in Nürnberg, wo er Saxophon solo spielte und eine Stimmung erzeugte, in der die Leute die Bilder zum Thema Rassismus mit ganz neuen Augen sahen.

    Ich weiß auch, wie schwer er es hatte in materieller Hinsicht - so, wie
    viel zu viele Künstler in unserem Land. Kunst zu machen, finanziell
    immer mit den Rücken an der Wand, das ist nicht romantisch. Es ist eine schwere Last, die einem das Leben vergällen kann.

    Ich würde mir so sehr wünschen, dass das Benefizkonzert für die
    Menschen, mit denen Jesus Canneloni am engsten zusammen war, etwas von dem zurückgeben kann, was er uns gegeben hat.

    Und für Jesus wünsche ich mir, dass die Session weitergeht, zusammen mit Britta und Rio, im Himmel oder sonstwo:

    - „See You in heaven!“
    - Jesus, spiel´ den „Great gig in the sky!“

    Herzlich –

    Claudia Roth

  16. wolfgang salomonam 27. April 2009 um 14:58

    Ich mochte sein anarchisches Saxophonspiel!
    Oft haben wir uns bei vielen Festivals getroffen .
    Wir hatten eine gute Zeit!

    wolfgang salomon

  17. Sebastian Tiedemannam 29. April 2009 um 13:20

    Hey Jesus,

    mich hat es gerade umgehauen als ich davon gelesen habe, das du nicht mehr unter uns bist. Ich habe Dich als lieben und herzlichen Musiker kennen und schätzen gelernt. Du wirst im Bilde der Schröder Roadshow fehlen. Mein Beileid der Familie und den Verwandten.

    Sebastian Tiedemann

  18. Beate Küpperam 30. April 2009 um 01:09

    Ich kanns noch gar nicht glauben. Durch Zufall, weil ich auf die “Schröder-Web-Side” gegangen bin, hab ich vom Tod von Jesus erfahren. Im Dezember hab ich zwei wirklich gute Tage mit den Schröder-Jungs im KOMM verbracht und dabei besonders mit Jesus eine innere Verbundenheit gelebt. Das ich das nun nie mehr kann macht mich fassungslos.
    Wir wollten uns doch wiedertreffen und musik- und kulturmässig noch einiges auf die Beine stellen….
    vorbei…
    Grüsse alle, denen Jesus am Herzen lag. Werd ihn nie vergessen.
    Beate

  19. alex wiskaam 2. Mai 2009 um 11:54

    shit,die besten müssen immer zuerst gehen….wir bleiben bis zum schluss………
    jesus,wir haben gute sessions zusammen gemacht.
    ich werde dich nicht vergessen.

    alex wiska

  20. Richam 17. Juni 2009 um 15:08

    Tja, so kann’s gehen – schwupps, stehen Jesus und ich, nach bald dreißig Jahren, mal wieder gemeinsam auf einem Plakat…! Auf einer Bühne, hätte ich fast gesagt, aber … das hat ja nicht mehr sollen sein. Und wer hätte vor dreißig Jahren gedacht, dass ausgerechnet Jesus der erste von uns sein würde, der die Bühne für immer verlässt, ein Kollege, den anscheinend nie irgendwas oder irgendjemand unterkriegen konnte… Ich möchte im Gegenteil heute wetten, dass damals jeder all seine Kohle auf mich gesetzt hätte. Tja, so kann’s gehen.
    Wir waren ja mal fast so was wie berühmt, Jesus, ich und unsere Schroeder Roadshow. Und wenn man berühmt ist, muss man gelegentlich Interviews geben. Bei manchen Journalisten kann man dann nach zehn Minuten aufstehen und sagen “Danke für das Gespräch”, weil sie sich nicht im Geringsten auf das Interview vorbereitet und keine Ahnung haben, wem sie da überhaupt warum gegenüber sitzen; andere haben sich zumindest ein bisschen schlau gemacht; und dann gibt es ein paar wenige, die so richtig Bescheid wissen. So fragte mich eines Tages Anfang der 80er ein Typ von irgendeiner Stattzeitung: “Hör mal, wie kann denn eine Band mit so einer merkwürdigen Chaoten-Mischung überhaupt funktionieren – hier z.B. der penetrant nüchterne Beracz, da einer wie Jesus, der sich gleich nach dem Frühstück den ersten Joint baut, und da ein wandelndes Pittermännchen wie du?”
    Tja. Da musste ich lange überlegen. Was will man darauf antworten, als jemand, der zum Frühstück am liebsten einen Piccolo bestellt, um sich vom Kater des Vorabends nicht den ganzen kommenden Tag versauen zu lassen? Vor allem: Was will man da als Antwort in dieser Zeitung lesen? “Funktionieren? Die Schroeder Roadshow?!” Ich musste mir allerdings eingestehen, dass ich mir darüber bis dahin überhaupt noch keine Gedanken gemacht hatte; der Eine von uns war halt so und der andere so – da änderst du eh nix dran und nimmst es am besten einfach hin, wie es ist. Schließlich gibt es da auch ein paar Gemeinsamkeiten. Die müssen reichen.
    Wenn ich so viele Jahre später schon mal an diese Zeit zurück denke, muss ich außerdem sowieso feststellen, dass alles, was damals so passierte, in meinem Hirn in einem ziemlichen Nebel versunken ist. Es ist schon komisch, z.B. irgendwo in, sagen wir, Schwaben unterwegs zu sein, und plötzlich spricht einen jemand an: “He, du bischt doch der von die Schroederles! Kannscht di’ no’ an des Konzert bei ons in Ingedinge erinnere’? In dera Stadthall’? Achtesiebzig? Des woar echt sub’r! Weischt no’?” Ingendingen? Nö. Weiß ich nicht. Wahrscheinlich hab ich mir schon an einer Raststätte 300 Kilometer vor Ingendingen das erste Sixpack eingesackt, und auf 300 Kilometern gibt’s eine Menge Raststätten. Die Autobahnausfahrt von Ingendingen sah genau so aus wie all die anderen Ausfahrten, das Jugendzentrum oder die Mehrzweckhalle dort sah genau so aus wie all die anderen Jugendzentren oder beschissenen Mehrzweckhallen, die Garderobe war genau so ungemütlich und kalt wie all die anderen, die obligate labberige Pizza war genau so warm wie das Bier, also auch wie immer; das Volk vor der Bühne sah genau so aus wie das an den Abenden davor, und sie lachten, klatschten und schrien an genau denselben Stellen wie all die anderen. Und die Kneipen, in denen man nach den Gigs die Sau rausließ, kann doch eh kein Mensch auseinanderhalten. Und wer will das überhaupt? Wozu?
    Umso mehr wunderte ich mich, als sich eines Tages unterwegs unser Jesus, ein Notizbuch in der Hand, im Bandbus neben mich setzte und sagte: “He, Rich, heute Abend müssen wir aber ‘nen Schnaps zusammen trinken, wa’?” Bidde? Jesus? Schnaps? “Ja”, sagte er und klopfte auf das Notizbuch, “heute ist unser 777. Gig. Das ist doch ‘ne Schnapszahl, oder?”
    Ich war platt – ausgerechnet dieser Saxophon kauende, Bananen lutschende, dauerkiffende Chaot von einem anderen Planeten führte penibel Buch über unsere Auftritte…! Na, das wäre doch mal eine Antwort für den Stattzeitungsmenschen gewesen!
    Tja, so kann’s gehen. Am Ende waren es, glaube ich, über tausend Gigs. Über tausend, und wenn ich mich richtig anstrengen und konzentrieren würde, kriegte ich heute vielleicht sogar noch achtzig davon zusammen.
    “Ja, Rich, und wahrscheinlich sind da allein die dreißig dabei, die wir in München in ein und demselben Laden gespielt haben! Hättest vielleicht doch nicht so viel Bier in dich reinschütten sollen!” Ja. Vielleicht. Vielleicht beweist das aber auch nur, dass Passivkiffen auch nicht gerade gut fürs Gehirn ist. Tausend Gigs – das sind, grob geschätzt, über dreihunderttausend Kilometer, über zehntausend Stunden in einem Bus, an die dreitausend Stunden in einer Garderobe, zweitausend auf einer Bühne – und immer törnst du mit …! Da muss doch was hängen bleiben! Bzw.: Wie soll denn da was hängen bleiben?! Und wie soll man das nüchtern aushalten?
    Apropos nüchtern aushalten. Tausend Konzerte. Und gegen Ende eines jeden dieser tausend Abende spielt die Band diese Ballade. Diese wunderschöne, zu Herzen gehende Hymne. Drei Strophen, fünf Refrains, und spätestens bei diesem Song stehen vor der Bühne alle, liegen sich in den Armen, wiegen sich im Takt der Musik, singen mit leuchtenden Augen die letzten Refrains mit, die Musik steigert sich, steuert auf einen Höhepunkt zu … Und dann macht die Band einen Break, alle hören auf zu spielen, jeder Atem stockt … Die Münder da unten bleiben offen stehen, verharren in einem seligen, gespannten Lächeln, als würde, wie es in einem anderen Lied der Band heißt, die Erde für ‘nen Herzschlag stille steh’n … Und dann setzt, in diesen fast feierlichen Moment der Stille, ein einsames Saxophon ein, trifft jeden mitten ins Herz, hebt ab zu diesem zu Tränen rührenden Solo, und die Band steigt wieder ein, geht mit, trägt die Melodie, treibt sie nach vorne, nach oben, nach … nach Hause? Und spätestens da gehört die Halle uns, gehören alle Herzen da unten uns – und das Leben ist schön.
    Tja, so kann’s gehen.
    Aber wir sind ja nicht nur Musiker – wir sind auch Komiker. Komödianten. Verrückte. Wir machen Unsinn und Blödsinn auf der Bühne, erzählen Witze, spielen Sketche. Wir verarschen Gott und die Welt, wir ziehen uns lustige Hüte und bescheuerte Klamotten an. Und eines Abends kommt der Gig, der eine Gig, den ich mit Sicherheit nie vergessen werde; ich weiß nicht, war’s der hundertste, der dreihundertste – der 777ste? Oder der 778ste – der nach dem Abend mit der Schnapszahl?
    “He, Jungs, ich hab mir ein superneues Kostüm gebastelt”, tut unser Saxophonist eines Tages ganz geheimnisvoll. Wir sind gespannt. Neugierig. Fragen nach. Und irgendwann kann er’s dann doch nicht mehr für sich behalten: “Ich habe mir – eine goldene Maske gebaut”, verrät er uns schließlich, und seine Augen leuchten wie die eines Fünfjährigen, der sein erstes Lego-Schloss gebaut hat.
    Aber abends, auf der Bühne, ist alles wie immer. Bis zu dieser Ballade. Als die anfängt, verschwindet unser Kollege in der Garderobe – kein Problem, er hat ja bei diesem Song bis zu seinem Solo am Ende nichts zu tun. Zwei Strophen, Gitarrensolo, dritte Strophe, dritter Refrain, vierter Refrain, fünfter Refrain – alles läuft bestens, wie immer. Der Song tut seine Wirkung, wie immer, zweieinhalbtausend tief berührte Menschen feiern uns…
    Dann kommt der Break. Und unser Saxophonist kommt auf die Bühne. Ja, er trägt eine Maske. Eine wunderschöne, leuchtend goldene Maske. Okay, aus der Nähe kann man sehen, nach welcher Rezeptur sie entstanden ist – man nehme einen Haufen altes Zeitungspapier, zerreiße und zerknülle es, weiche es über Nacht in Wasser ein, rühre am nächsten Tag ein bisschen Kleister dazu, forme aus dem weich gewordenen Papierbrei, was immer man daraus formen möchte und lasse die Form, am besten über der Heizung, gut trocknen – das Ding wird hart wie Gips, und zum Schluss kann man es noch schön anmalen. Unser Saxophonist hat das Ding schön angemalt – eine übergroße, gold glänzende Maske, mit einer riesigen, gebogenen Nase und einem breiten, offen lächelnden Mund, und an den Ohren sind Löcher, durch die er ein Gummiband gezogen hat, das die Maske an seinem Kopf festhält.
    Sieht toll aus. Ein schlanker Mann in einem weißen Anzug, mit einem golden schimmernden Saxophon und einer golden schimmernden, archaischen Maske. Und da steht er auf der Bühne, alle Augen sind auf ihn gerichtet, und er schiebt das Mundstück seines Instruments durch den lächelnden Schlitz in seinen Mund und spielt den herzzerreißenden Auftakt zu seinem Solo.
    Und bricht nach zwei, drei Takten wieder ab. Erstens kann man ihn kaum hören – und zweitens setzt die Band nicht ein wie geplant, wie hundert Mal geprobt und siebenhundertsechsundsiebzig Mal gespielt. Warum nicht? Die Band kann nicht. Der Schlagzeuger ist vor Lachen von seinem Hocker gefallen, der Gitarrist hat seine Gitarre weg- und sich dem Sänger an den Hals geworfen, der Sänger kann eh kein Instrument spielen, und dass der Bassist sich gerade in die Hose pinkelt, liegt absolut nicht an den sechs Flaschen Bier, die, wie üblich, bis zu diesem Song leer geworden sind.
    Nein, das liegt daran, dass unser Saxophonist mit seinem Saxophon cirka drei Meter neben seinem Mikrophon steht – weil er beim Bauen seiner tollen Maske leider vergessen hat, dass er eventuell auch Augenschlitze brauchen würde.
    Tja, so kann’s gehen…

    Goodbye, Jesus - wir seh’n uns am Ende des Regenbogens.
    Rich

  21. sheyk rAlepham 23. Juni 2009 um 22:50

    Mann, ich war 16, stand auf der Domplatte und wußte nicht wirklich wohin. Mit ur alten Tablas unterm Arm und keiner Kohle im Sack hast du mich auf eine der geilsten Feten des Jahrhunderts nach Oberhausen mitgeschleppt. Die durchgeknallten Jungs mit hunderten von Gongs, deine Impros, die Mädels, der Gesang…Alles Farben einer Erinnerung, einer Erinnerung auch an Dich. Wir haben uns nie wiedergesehen, aber dein Mix Tape von damals habe ich immer noch.
    Jetzt hat dein Kahn abgelegt,
    Ahoi Jesus!

    rAleph

  22. Bruno Linnartzam 13. Juli 2009 um 12:11

    alte dürener Nase,

    schon 1974, im Proberaum der damals noch unrenovierten alten Mühle in Düren, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, lauschte ich Deinen außergewöhnlichen Sax-Künsten. Die Band hieß “PINEAPPLE” mit Peter Mohr an den Drums und Winnie am Bass……..
    Du, Günter Komposch, hattest den Jesus gerade erst kreiert.
    Später, 1980 im “Schroeder Rockpalast” in Stolberg-Vicht hörte ich Dich fast täglich im Treppenhaus das richtige Blatt finden. Das war unser stets begleitender Hintergrund-Sound…..
    Wir beide fuhren von der Rockpalast-Aufzeichnung in Berlin mit dem Band-Truck nonstop durch nach Amsterdam…..”Zwei Dürener im Paradies”….und was war der Richard stinkisch als der letzte Tropfen Diesel tagsdrauf noch nicht mal bis zur Tanke reichte……….
    Fast 30 Jahre sind vergangen…. ich werde Dich alten Querdenker nie vergessen !

    Bruno

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